Warendorf, Germany review 2014

November 17, 2014
Warendorf -

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Was für ein schönes Programm! Und welch wunderbare Musiker, die es ihrem Publikum sozusagen auf dem Silbertablett servierten! Das Galerie-Konzert am Sonntag im Sophiensaal geriet zu einem der vielen Höhepunkte der traditionsreichen Reihe, denn mit dem „Cypress“-Streichquartett aus San Franciso saß ein Ensemble auf dem Podium, das vom ersten Moment an faszinierte.

Von Chr. Schulte im Walde

Ihr Warendorf-Debut eröffneten die vier Streicher mit Auszügen aus jenem Werk, das ihnen ihren Namen gab: die „Zypressen“, ein Zyklus von zwölf Stücken aus der Feder von Antonin Dvorak. Kaum einmal gespielt, völlig unbekannt, dabei zutiefst inspirierte Musik, die von der grenzenlosen Fantasie ihres Schöpfers zeugt. Gezielt eingesetzte Effekte wie Pizzikato-Spiel, wisperndes Streichertremolo und gedämpfte Saiten machten aus diesen durchaus als „Lieder ohne Worte“ zu bezeichnenden Klangbildern ein durch und durch farbiges Geschehen.

Was ebenfalls schon gleich nach den ersten Takten spürbar wurde: Cecily Ward und Tom Stone (Violinen), Ethan Filner (Viola) und Jennifer Kloetzel (Cello) musizieren auf Instrumenten, die ganz ausgezeichnet zusammenpassen und einen etwas abgedunkelten Streichersamt ausbreiteten, einen homogenen Klang entwickelten, der spontan für sich einnahm. Beste Voraussetzungen also auch für jene acht dichten Minuten Musik, mit denen der amerikanische Komponist Samuel Barber Mitte der 1930er Jahre in seiner Heimat und darüber hinaus weltberühmt wurde: mit seinem „Adagio“. Eigentlich von vorn bis hinten ein einziges Lamento, ein Gesang der Trauer, der Klage, der in Amerika bis heute zu entsprechenden öffentlichen Anlässen regelmäßig zu hören ist. In Warendorf komplettierte das „Cypress“-Quartett dieses Adagio mit den erst Jahre später von Barber hinzugefügten beiden Rahmensätzen – starke Kontraste zum Adagio-Kern, schließlich ging es hier deutlich ruppiger und kantiger zu. In gewisser Weise auch anschließend in Franz Schuberts Quartettsatz c-Moll, den die vier Solisten zupackend und mit dramatischem Impetus angingen, ohne je hitzköpfig zu werden. Charmant an diesem Abend: jeder der Solisten gab kurze Kommentare zu den Werken ab. In bestens verständlichem Englisch – und mit vernünftigem Inhalt statt irgendwelchen Allgemeinplätzen. Dass Antonin Dvorak sich um den Brückenschlag zwischen Europa und Amerika (der „Neuen Welt“) bemühte, davon kündete nicht zuletzt sein F-Dur-Quartett op. 96 mit dem Beinamen „Das Amerikanische“. Noch einmal goss das „Cypress“-Quartet all die Fülle seiner Klangschönheit aus, wirklich bestürzend im Lento, lebhaft und geprägt von Perfektion im In- und Miteinander der Stimmen im Scherzo („Molto vivace“). Ein Erlebnis der Extra-Klasse also – und das quittierten die Zuhörer mit schäumendem Applaus. Gleich zwei Zugaben waren fällig. Aber man hätte gern noch viel länger zugehört.

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SOURCE: www.wn.de